Sonnenschutz
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UV ist Strahlung, kein Wetter
Die meisten Sonnenbrände entstehen nicht an dem Tag, den man als gefährlich erkennt. Sie passieren bei 22 Grad und Bewölkung im Mai, im Auto auf einer langen Autobahnfahrt, beim Skifahren bei minus zehn, beim Spaziergang um halb elf im Schatten der Bäume. Das gemeinsame Muster: UV-Strahlung folgt nicht der Temperatur, nicht dem Komfortgefühl und nicht der Tageshelligkeit. Sie folgt anderen Regeln.
Dieser Bereich erklärt diese Regeln. Welcher Anteil der Strahlung welchen Schaden anrichtet. Warum die Wolke täuscht und das Autofenster nur die halbe Wahrheit erzählt. Wie Schnee, Wasser und Höhe die Belastung verdoppeln können. Und was die Begriffe „Breitband" und „UVA-Logo" auf der Flasche tatsächlich versprechen. Die konkreten Mengen und Zeitfenster liegen in den Rechnern weiter unten — diese Seite klärt die Physik dahinter.
UVA und UVB — zwei Strahlungen, zwei Schadensbilder
UV von der Sonne kommt im Wesentlichen in zwei Wellenlängenbereichen auf der Erde an. UVB (280 bis 315 Nanometer) ist die kurzwellige, energiereiche Variante — sie verbrennt die Haut innerhalb von Stunden, ist der Hauptverursacher des klassischen Sonnenbrands und entscheidend für DNA-Schäden in den Oberhautzellen. UVA (315 bis 400 Nanometer) ist langwelliger, dringt tiefer in die Lederhaut ein und verursacht über Jahre die sichtbare Hautalterung (Falten, Pigmentflecken, Elastizitätsverlust) — ohne dabei akut wehzutun.
Rund 95 Prozent der UV-Strahlung, die auf der Erdoberfläche ankommt, sind UVA. UVB macht nur etwa 5 Prozent aus, ist aber wegen seiner Energiedichte deutlich aggressiver pro Photon. Beide tragen unabhängig voneinander zum Hautkrebsrisiko bei — das aktuelle dermatologische Konsenspapier der Deutschen Krebsgesellschaft (DKG) listet beide als Risikofaktor.
Warum die Wolke täuscht und das Glas lügt
Wolken filtern Licht, aber kaum UV. Die Skin Cancer Foundation gibt seit Jahren denselben Wert an: bis zu 80 Prozent der UV-Strahlung passieren eine durchschnittliche Wolkendecke. Eine dünne, schleierige Wolke lässt sogar 90 Prozent durch. Was die Wolke macht, ist die sichtbare Helligkeit zu dämpfen und das Wärmegefühl zu reduzieren — beides Signale, die das Gehirn als „weniger Sonne" interpretiert. Die UV-Strahlung hört davon nichts.
Glas filtert nur einen Teil. Standard-Fensterglas blockiert rund 97 Prozent des UVB, aber nur 25 bis 50 Prozent des UVA. Ein berühmter Fall aus dem New England Journal of Medicine zeigt einen 69-jährigen Lkw-Fahrer mit drastischer einseitiger Hautalterung auf der linken Gesichtshälfte — 28 Jahre Fahrerfenster. Bei Autos sind die Frontscheiben laminiert und blockieren fast vollständig, die Seitenscheiben aber meist nicht. Wer pendelt, bekommt jahrelang UVA auf den linken Arm und die linke Wange.
Auch im Schatten unter einem Sonnenschirm am Strand bleibt etwa die Hälfte der UV-Belastung übrig — gestreut über Sand, Wasser und Atmosphäre. Vollschatten ist kein Vollschutz.
Höhe, Schnee, Wasser — die Reflexionsmultiplikatoren
Die UV-Belastung steigt mit der Höhe um etwa 10 bis 12 Prozent pro 1000 Höhenmeter, weil die Atmosphäre dünner ist und weniger absorbiert. Auf 2500 Metern (typische Skihöhe in den Alpen) sind das bereits rund 25 bis 30 Prozent mehr UV als am Meeresspiegel. Dazu kommen die Reflexionswerte der Umgebung — die WHO veröffentlicht sie regelmäßig:
- Frischer Schnee: reflektiert bis zu 80 Prozent der UV-Strahlung. Das Gesicht bekommt im Skiurlaub effektiv die doppelte Dosis — die Hälfte von oben, die andere Hälfte vom Hang.
- Wasser: 10 bis 30 Prozent, abhängig vom Einfallswinkel. Mittagssonne auf glattem Wasser reflektiert stärker als die Morgensonne.
- Sand: 15 bis 25 Prozent. Heller Strand reflektiert spürbar mehr als dunkles Granit-Gestein.
- Beton, Asphalt: 10 bis 12 Prozent. Erklärt einen Teil der Hitze-Sonnenbrände in der Stadt.
- Wiese, Rasen: 2 bis 5 Prozent. Geringer als alle anderen Umgebungen.
Skifahren auf Gletschereis im Juli ist die Maximalkombination: 30 Prozent Höhenbonus plus 80 Prozent Reflexion ergeben eine effektive UV-Belastung, die in den meisten europäischen Sommerstränden niemals erreicht wird — bei minus fünf Grad und Schneefall.
Warum der Mai oft überraschender brennt als der August
Im Mai liegt der UV-Index in Deutschland bei klarem Himmel bereits zwischen 6 und 8 — das sind 70 bis 80 Prozent des Juli-Hochstands. Trotzdem passieren die meisten ersten Sonnenbrände des Jahres an einem Wochenende im Mai oder frühen Juni, nicht im Hochsommer. Zwei Gründe wirken zusammen:
Erstens: die Haut hat über den Winter ihre eigene Schutzschicht verloren. Die natürliche UV-Eigenschutzzeit eines mitteleuropäischen Hauttyps liegt im April bei rund 10 bis 15 Minuten, im August nach mehreren Wochen sukzessiver Bräunung bei 20 bis 30. Derselbe UV-Index trifft im Mai auf eine empfindlichere Haut als im August.
Zweitens: das mentale Modell. „Mai" ist im Kopf Frühling, „August" ist Sommer. Bei 22 Grad und Sonne im Mai sitzen Leute vier Stunden im Biergarten ohne Sonnencreme; bei 30 Grad im August ist die Tube längst dabei. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) veröffentlicht ab April einen täglichen UV-Index-Vorhersagewert genau deshalb — der frühe Sommer ist physikalisch nicht weniger gefährlich, sondern wird nur weniger ernst genommen.
Was „Breitband" auf der Flasche bedeutet
Der SPF-Wert auf einer Sonnencreme misst ausschließlich den UVB-Schutz. Eine SPF 50 ohne UVA-Schutz wäre also nur halb gemacht — sie blockiert den Sonnenbrand, aber nicht die Hautalterung und nicht den UVA-bedingten Anteil am Hautkrebsrisiko. Drei Kennzeichnungen regeln das weltweit unterschiedlich:
- EU-Standard (UVA-Logo). Produkte in der EU dürfen den UVA-Kreis-Aufdruck nur tragen, wenn der UVA-Schutzfaktor mindestens ein Drittel des deklarierten SPF beträgt. Bei SPF 30 muss der UVA-PF also mindestens 10 sein. Wer die kreisförmige UVA-Markierung sieht, hat ein echtes Breitband-Produkt.
- US-Standard („Broad Spectrum"). Die FDA erlaubt das Label nur, wenn das Produkt den Critical Wavelength Test besteht (kritische Wellenlänge ≥ 370 nm). Das ist niedriger getaktet als der EU-Standard, aber besser als gar nichts.
- PA-System (Asien, manche EU-Hersteller). Skala von PA+ (geringer UVA-Schutz) bis PA++++ (sehr hoch). Bei mediterranen oder tropischen Reisen ist mindestens PA+++ sinnvoll.
Was im Laden oft fehlt: günstige Discounter-Sonnencremes ohne UVA-Logo. Die Sonnencreme kann SPF 50 tragen, aber UVA praktisch nicht filtern. Bei Markenprodukten von La Roche-Posay Anthelios, Eucerin Sun, Avène, Bioderma Photoderm oder ISDIN Fotoprotector ist die UVA-Kennzeichnung Standard.
Wann die Rechner das richtige Werkzeug sind
Diese Seite klärt die Physik — wann UV wie stark trifft, was die Haut tatsächlich erreicht und worauf das Etikett achten muss. Für die zwei konkreten Alltagsfragen gibt es eigene Rechner:
- „Wie lange schützt mich diese Sonnencreme?" — der Sonnencreme-Rechner rechnet Hauttyp, SPF, UV-Index und Nachcremen gegeneinander auf und gibt die reale Schutzzeit aus.
- „Wie viel Sonnencreme brauche ich für meinen Urlaub?" — der Sonnencreme-Urlaubs-Rechner liefert Flaschenanzahl pro Person, Tag und Zielregion.
Häufige Fragen rund um UV-Strahlung
Angrenzende Bereiche
- Sonnencreme-Rechner – Schutzzeit nach Hauttyp, SPF und UV-Index.
- Sonnencreme-Urlaubs-Rechner – Flaschenanzahl für die ganze Reise.
- Flüssigkeit & Wasserbedarf – Hitze, Sonne und Flüssigkeitsverlust treffen am selben Tag aufeinander.
- Festival & Camping – UV-Exposition über mehrtägige Outdoor-Events planen.
- Gesundheit & Fitness – Übersicht – alle alltäglichen Gesundheits-Tools an einem Ort.